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DIE SALZACH, Salzburgs wieder ergrünter Grenzfluss, soll durch Wasserbau-Maßnahmen wieder natürlicher werden, was sich indirekt auf die Grenzziehung auswirkt.

KURIOSE GRENZEN

In der Reihe „Grenzfälle“ stellt „Monat“-Autor Stefan Mayer Kuriositäten im Zusammenhang mit dem Land Salzburg vor, die mit Grenzen zu tun haben. Oftmals historisch, gelegentlich künstlich und manchmal äußerst unterhaltsam machen Trennungen auf das Miteinander und Gegeneinander aufmerksam.
o Natur & Umwelt
SOHLRAMPE VERSCHIEBT FLUSSGRENZE

Salzburg war kurz größer

Stefan Mayer | landredaktion@salzburgermonat.at
24. Oktober 2009

Man stelle sich vor: Ein Land wächst, und (fast) keinem fällt es auf. So geschehen in der Salzach auf halbem Weg zwischen Anthering und Oberndorf. Eine stille Grenzverschiebung, bei der es am Ende nur Gewinner gibt: eine wieder gewonnene Naturlandschaft und mehr Hochwasserschutz.

Gleich um mehrere Tausend Quadratmeter wuchs die Landesfläche Salzburgs im vergangenen Halbjahr. In einer aufwändigen Bauetappe wurde an der Unteren Salzach zwischen den Gemeinden Nußdorf am Haunsberg und Oberndorf bei Flusskilometer 51,9 eine neue Rampe gebaut, österreichweit die größte Flussrampe. Tonneschwere Wasserbausteine mit ein bis zwei Metern Durchmesser sollen zukünftig eine weitere Eintiefung des Flusses verhindern.

Durch die Aufschüttungen wuchs die Salzburger Salzachseite stark nach Bayern. Die Staatsgrenze in diesem Bereich ist in der Flussmitte festgelegt. Bei schiffbaren Flüssen ist es sonst üblich, das Ufer mit dem Talweg, der tiefsten zusammenhängenden Rinne des Flussbettes, als Grenze zu definieren. Allerdings: wie gewonnen, so zerronnen. Denn inzwischen ist die Baustelle auf die Bayerische Seite gewechselt, was bedeutet, dass bis April 2010 das Nachbarland auf Kosten Salzburgs ein wenig größer wird.

Nach der Fertigstellung wird die Salzach ein wenig näher an Salzburg gerückt sein. Die Bayern erhalten etwas mehr an Auwald und die Salzburger dürfen sich über mehr Salzachwasser auf ihrem Territorium freuen. Soweit die Tatsachen. Die juristisch definierte Staatsgrenze bleibt nichtsdestotrotz vorerst unverändert. Auf eine Nachvermessung und neuerliche Grenzziehung wurde von den Projektpartnern auf österreichischer und auf Bayerischer Seite von vornherein verzichtet. Die kurzzeitige Grenzverschiebung durch die Bauarbeiten würde den Aufwand nicht rechtfertigen. Die Folgen davon allerdings schon. Schließlich wird durch die Baumaßnahme und das Gesamtprojekt Sanierung Untere Salzach Naturraum durch einen Flusslauf wieder gewonnen, der sich mehr als bisher selber seinen Weg bahnt, als gewünschte Wirkung die Auwälder teilweise überflutet und Mäander ausbildet.

So wird es in ein paar Jahren nötig sein, dass das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen die Salzachgrenze neu vermisst. Staatsverträge müssen deshalb nicht geändert werden. Die von österreichischen und deutschen Vermessungsexperten einvernehmlich erzielten Ergebnisse werden dann in einem Kartenanhang, auf den sich das Gesetz bezieht, aktualisiert. Meist geben Baumaßnahmen den Ausschlag für Nachvermessungen. So können aufmerksame Spaziergänger auf dem Europasteg zwischen Oberndorf und Laufen einen bei der Errichtung angebrachten Grenzhinweis entdecken.
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