© Barockmuseum
Das rankt sich üppig: Kachelofen im "Style rocaille".

© Barockmuseum
Prachtvoll: Gittertür mit Rocaille-Ornamentik, Philipp Hinterseer, ca. 1760/65, in St. Peter.

Rocaille

Zur Geschichte einer Ornamentform

27. Jänner bis 11. April 2010
Salzburger Barockmuseum

Di bis So & Feiertage geöffnet von 10-17 Uhr

» barockmuseum.at

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Kunst aus dem Meer

Cay Bubendorfer | stadtredaktion@salzburgermonat.at
14. Januar 2010

Sie verstösst gegen alle klassischen Gestaltungsregeln des Dekorierens. Aber gerade dies verleiht der Ornamentform "Rocaille" ihren besonderen Reiz und bescherte ihr einen wahren Höhenflug im 18. Jahrhundert.

Was wäre ein barocker Festsaal oder eine Rokokokirche mit nackten, glatten Wänden? Was die Wandmalereien ohne dekorativen Rahmen? Dazu meint Franz Christoph von Scheyb, kaiserlicher Hofrat in Wien: „Weiße Gewölber und Wände beleidigen das Auge“.

Vorbild für die barocke Ornamentform "Rocaille" war die Jakobsmuschel, gemischt mit anderen, zum Teil bizarren Muschelformen. Ihren speziellen Charme verdankt sie der Tatsache, dass sie sich über strikte (An-)Ordnungen hinwegsetzt: Im Wechselspiel zwischen Natur- und Kunstform wächst sie mal dreidimensional aus und wird gegenständlich, mal nehmen die Größenverhältnisse irrationale Ausmaße an oder wird assymetrisch. Hier oder dort wuchert sie regelrecht, wächst sich zum Rocaillehaus, zu einem Rocaillebaum oder gar zu einer ganzen Rocaillelandschaft aus.

Kunsthandwerk als perfekte Spielwiese
Ursprünglich aus Italien kommend, wurde sie um 1720 bis 1755 in weiten Teilen Europas verwendet und war besonders in Frankreich beliebt. Einen wahren Höhenflug erlebte die Rocaille in Bayern. Dabei eroberte sie Architektur und Malerei gleichermassen; als perfekte Spielwiese zum Ausleben des „Style rocaille“ bot sich naturgemäß auch das Kunsthandwerk an, wo die vegetabile Form nicht nur als Stuckdekor Wänder eroberte, sondern auch Tapisserien, Möbel, Porzellan, Silber-und Goldschmiedearbeiten zierte.

In Salzburg ist die Rocaille als Stuckdekor in der Vorhalle des Schlosses Mirabell, im Schloss Leopldskron, in Hellbrunn, im Neugebäude der Residenz und in der Michaelskirche zu finden. Der bedeutendste Bau mit Rocailledekorationen ist die Stiftskirche St. Peter mit ihrem Wandschmuck und der prächtigen schmiedeeisernen Gittertür.

Nach dem Schwerpunkt zur griechischen Ornamentform Akanthus gibt das Barockmuseum nun Einblicke in die gut drei Jahrzehnte währende Blütezeit der Rocaille mit einer bezaubernden Sonderausstellung, die von 27. Jänner bis 11. April zu sehen ist.


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